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Was versteht man unter Hormontherapie?

Die Hormontherapie gehört heute zu den wichtigsten Behandlungsmethoden beim Brustkrebs. Sie ergänzt bei hormonabhängig wachsendem Brustkrebs effektiv die anderen Therapieverfahren, also die Operation und die Strahlentherapie.


Was sind hormonabhängig wachsende Tumoren?

Die weiblichen Geschlechtshormone Link zum GlossarÖstrogen und Link zum GlossarProgesteron können das Wachstum von Brustkrebs fördern, wenn die Brustkrebszellen spezielle Bindungsstellen (Rezeptoren) hierfür aufweisen. Dies ist bei etwa zwei Dritteln der Brustkrebserkrankungen der Fall. Im Rahmen der Tumorklassifikation bei der feingeweblichen Untersuchung wird geprüft, ob sich Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren finden. Dann lautet das Ergebnis "Hormonrezeptor-positiv". In diesem Fall ist es sinnvoll, den Tumor mit einer Hormontherapie zu behandeln, um ihm die Hormone zu entziehen, die sein Wachstum fördern.

Welche Möglichkeiten der Hormontherapie gibt es?

Tabletten - Michael Kempf © fotoliaZur Behandlung des hormonempfindlichen Brustkrebses gibt es verschiedene Medikamente, welche die Östrogenwirkung unterdrücken:
  • Antihormone bzw. Antiöstrogene hemmen die Östrogenwirkung, indem sie sich an die Östrogenrezeptoren binden und damit verhindern, dass sich Östrogen an diese binden kann. Der Wachstumsreiz durch die Östrogenbindung bleibt damit aus.
  • Aromatasehemmer (Aromataseinhibitoren) unterdrücken die Produktion von Östrogen. Sie hemmen hierzu ein spezielles Enzym, die Aromatase, welche Östrogen-Vorläuferstufen zu Östrogen umwandelt.
  • GnRH-Analoga (GnRH-Agonisten, LHRH-Analoga) sind ähnlich (analog) aufgebaut, wie ein körpereigenes, vom Gehirn produziertes Hormon, das GnRH. GnRH steuert vom Gehirn ausgehend die Produktion von Östrogenen und Progesteron in den Eierstöcken. GnRH-Analoga besetzen Bindungsstellen des GnRH in der Hirnanhangsdrüse und lösen damit eine Dauerstimulation aus, die dazu führt, dass die Rezeptoren an der Hirnanhangdrüse abgebaut werden. Die Nachrichtenübermittlung vom Gehirn zu den Eierstöcken wird damit unterbunden; die Östrogenproduktion wird eingestellt.

Hormontherapie vor und nach den Wechseljahren

Welche Medikamente eingesetzt werden, richtet sich nach dem Status der Patientin in Hinblick auf die Wechseljahre (Menopause): vor der Menopause (prämenopausal) oder danach (postmenopausal). Bei prämenopausalen Frauen werden die Östrogene vor allem in den Eierstöcken gebildet, bei postmenopausalen Frauen im Fettgewebe und in der Muskulatur. Diese beiden Situationen müssen beim Einsatz der Hormontherapie berücksichtigt werden:

  • Prämenopausale Frauen erhalten daher Medikamente, welche die Hormonbildung in den Eierstöcken unterbinden. Hierzu eignen sich die Antiöstrogene und GnRH-Analoga.
  • Postmenopausale Frauen erhalten meist eine Therapie mit Aromatasehemmern und/oder Antiöstrogenen, um die Restbildung oder -wirkung der Hormone zu hemmen, die z.B. im Fettgewebe gebildet werden.

Aromatasehemmer nach Tamoxifen – die von den meisten Experten empfohlene Therapieabfolge bei postmenopausalen Frauen

In der Behandlung des hormonabhängigen Brustkrebses bei postmenopausalen Frauen galt eine 5-jährige Therapie mit dem Antiöstrogen Tamoxifen über 30 Jahre als Standardtherapie. Tamoxifen ist gut wirksam und verringert die Sterblichkeit bei Brustkrebs um die Hälfte. Mit den Aromatasehemmern wurde jedoch eine Substanzgruppe entwickelt, die sich gegenüber Tamoxifen als noch effektiver gezeigt hat. Ihr Einsatz wurde in großen Studien als alleinige Therapie und nach Gabe von Tamoxifen geprüft.
Als ein heute in der Praxis etabliertes Therapieschema gilt der Beginn der antihormonellen Therapie mit Tamoxifen für 2 bis 3 Jahre, gefolgt von einem Aromatasehemmer für weitere 2 bis 3 Jahre, so dass die Hormonbehandlung insgesamt 5 Jahre dauert. Diese Therapieabfolge bzw. Therapieumstellung – erst Tamoxifen, dann ein Aromatasehemmer – wird auch als Switch-Therapie bezeichnet und von etwa zwei Dritteln führender Brustkrebsexperten aufgrund der überzeugenden Studienergebnisse befürwortet: Die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen werden durch die Switch-Therapie gegenüber der 5-jährigen Tamoxifen-Therapie verbessert, und auch das Risiko für ein Wiederauftreten des Brustkrebses wird gesenkt. Die Therapieumstellung bietet Patientinnen zusätzlich zur besseren Wirksamkeit eine mindestens ebenso gute Lebensqualität wie unter Tamoxifen allein. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Thrombosen/Embolien traten unter dem Aromatasehemmer sogar seltener auf.

Switch-Therapie

Abb. 1 Bei der Switch-Therapie wird nach 2 bis 3 Jahren auf einen Aromatasehemmer umgestellt.

Hormontherapie besser verträglich als Chemotherapie

Die Hormontherapie wirkt wie die Chemotherapie im gesamten Körper, also systemisch. Sie greift einzelne Krebszellen und kleinste Metastasen an. Die Hormontherapie hat aber nicht die schwerwiegenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie, da sie viel zielgerichteter wirkt, also nur die Bildung bzw. die Wirkung von Östrogen unterbindet. Damit beeinflusst sie nur die östrogenabhängigen Zellen. Die meisten Zellen im Körper besitzen keine Östrogenrezeptoren und werden daher auch nicht durch eine Hormontherapie angegriffen. Eine Hormontherapie ist daher viel besser verträglich als eine Chemotherapie; sie kann daher oft über Jahre hinweg eingesetzt werden.

Nebenwirkungen: Wechseljahresbeschwerden

Da bei einer Hormontherapie dem Körper Östrogene vorenthalten werden, sind Symptome, die typisch für die Wechseljahre sind, möglich; denn auch hier wird die Östrogenproduktion reduziert. Typischerweise können auftreten: Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Knochendichteverlust (Osteopenie).
Wenn Sie diese Beschwerden an sich bemerken, sollten Sie Ihren Arzt darüber informieren. Er kann mit Ihnen entscheiden, welche Maßnahmen zur Linderung der Nebenwirkungen eingesetzt werden können, zum Beispiel:

  • regelmäßige Bewegung, Entspannungsverfahren, Hydrotherapie, Umstellung der Ernährung (Vermeiden stark gewürzter Speisen, Reduktion des Kaffee-/Teekonsums) und/oder Medikamente bei Hitzewallungen
  • Entspannungsverfahren, Gespräche und/oder Medikamente (Antidepressiva) bei depressiven Verstimmungen
  • regelmäßige Bewegung und Einnahme von Kalzium- und Vitamin-D3-Präparaten zur Vorbeugung der Osteoporose; spezielle Medikamente (Bisphosphonate) sollten nur verabreicht werden, wenn die Osteoporose schon ausgeprägt ist oder hohe Risikofaktoren für die Entwicklung einer solchen vorhanden sind.