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Häufige Fragen
Hier beantworten wir Ihnen die wichtigsten und häufigsten Fragen zu Diagnose, Therapie und Nachsorge einer Darmkrebserkrankung.
- Fragen zur Ursachen, Risikofaktoren und Vorbeugung
- Fragen zu Symptomen und Diagnosestellung
- Fragen zur Therapie
- Fragen zur Nachsorge und psychosozialen Unterstützung
Was ist Dickdarm- und Mastdarmkrebs?
Dickdarm- und Mastdarmkrebs ist eine bösartige Schleimhautwucherung im Dickdarm oder Mastdarm. Ärzte bezeichnen diese Krebsart auch als kolorektale Karzinome (von griechisch kolon, Dickdarm und lateinisch rectum, Enddarm). Häufig wird der Dickdarm- und Mastdarmkrebs auch nur als Kolonkarzinom bezeichnet, obwohl ein Kolonkarzinom im eigentlichen Sinne nur Dickdarmkrebs ist.
Was sind die Ursachen von Darmkrebs?
Meist entsteht eine Darmkrebserkrankung aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, den sogenannten Polypen. Diese können entarten und sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln. Warum ein solcher Tumor entsteht, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Jedoch scheinen verschiedene Faktoren seine Entwicklung zu begünstigen.
Gibt es Risikofaktoren?
Neben den nicht unmittelbar beeinflussbaren Risikofaktoren wie Alter (rund 90 Prozent der Betroffenen sind älter als 50 Jahre) und erbliche Veranlagung spielt auch die eigene Lebensweise eine Rolle: Fettreiche und ballaststoffarme Kost, übermäßiger Genuss von rotem Fleisch (Rind, Kalb, Schwein), mangelnde Bewegung sowie Nikotin und Alkohol sind Wegbereiter für Darmkrebs. Auch Menschen, die regelmäßig an gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut (Polypen) oder an bestimmten chronischen Darmentzündungen leiden, tragen ein erhöhtes Risiko.
Kann ich vorbeugen?
Gerade die Menschen, die ein erhöhtes Darmkrebsrisiko tragen, sollten in Ihrem Alltag auf eine gesunde Lebensweise achten. Das bedeutet vor allem eine ausgeglichene Ernährung, viel frische Luft und Bewegung, wenig Alkohol- und kein Zigarettenkonsum. Genauso wichtig wie die persönliche Vorsorge ist die Inanspruchnahme von Früherkennungsmaßnahmen. Denn durch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden: Experten gehen davon aus, dass bei frühzeitiger Diagnose 90 Prozent aller Darmkrebspatienten vollständig geheilt werden könnten.
Was sind die Symptome der Erkrankung?
Darmkrebs entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich häufig schleichend und über Jahre hinweg. Persönliche Darmkrebsprävention bedeutet daher nicht zuletzt auch, die Signale des eigenen Körpers ernst zu nehmen. Krampfartige Bauchschmerzen, veränderte Stuhlgewohnheiten wie Verstopfung und Durchfall im Wechsel, Blut im Stuhl oder massiver Gewichtsverlust können auf eine mögliche Darmkrebserkrankung hindeuten. Wer längere Zeit oder auch immer wieder an diesen Beschwerden leidet, sollte sich deshalb vom Arzt untersuchen lassen.
Wie wird Darmkrebs festgestellt?
Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, stehen dem Arzt verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, um festzustellen, ob es sich um Darmkrebs handelt. Ein Viertel aller Rektumkarzinome wird durch die sogenannte digitale Untersuchung, das Austasten des Enddarms (Rektum) durch den Arzt, entdeckt. Ergänzend kann der Arzt mit Hilfe eines speziellen Teststreifens kleinste Mengen verstecktes Blut im Stuhl nachweisen. Man spricht von einem Hämoccult-Test (Häm = Blut, occult = verborgen). Sicherheit bringt jedoch letztlich erst die Darmspiegelung (Koloskopie). Bei dieser Untersuchung wird die Dickdarmschleimhaut mit einer Minikamera, die am Ende eines dünnen, biegsamen Schlauches angebracht ist und schmerzfrei durch den After in den Darm eingeführt wird, auf Unregelmäßigkeiten untersucht. Gegebenenfalls wird eine Gewebeprobe entnommen. Diese Gewebeprobe wird im Labor auf eventuell vorhandene bösartige Zellen untersucht. Viele Menschen stehen der Koloskopie ablehnend gegenüber. Allerdings ist diese Untersuchungsmethode die zuverlässigste und präziseste Möglichkeit, Darmkrebs zu erkennen. Neben diesen Standardmethoden gibt es eine Reihe anderer Tests (zum Beispiel Ultraschall- und Blutuntersuchungen, Computer- und Kernspintomographie), die zur weiteren Abklärung eines Befundes durchgeführt werden können.
Zu welchem Arzt soll ich gehen?
Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit einer jährlichen Früherkennungsuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr geschaffen. Diese Vorsorgeuntersuchung wird sowohl von den gesetzlichen als auch von privaten Krankenkassen getragen. Frauen können sie zusammen mit der Früherkennungsuntersuchung von Gebärmutterhalskrebs vom Frauenarzt durchführen lassen. Männer konsultieren einen Hausarzt oder Internisten. Treten Beschwerden auf, sollte natürlich auch vor dem 50. Lebensjahr der Hausarzt aufgesucht werden. In diesem Fall oder bei entsprechender Indikation (familiäre, erbliche Vorbelastung) werden die Kosten ebenfalls von der Krankenkasse getragen. Gemeinsam mit dem Arzt kann dann das weitere Vorgehen besprochen werden.
Was passiert nach der Diagnose?
Wird ein Darmkrebs diagnostiziert, hängt die Wahl der geeigneten Behandlungsmethode wesentlich davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Zur Klassifikation der Krankheitsentwicklung teilen Experten mithilfe des TNM-Systems das Tumorwachstum in mehrere Stadien ein: Berücksichtigt werden die Tumorgröße (T), die Anzahl der befallenen Lymphknoten (N für Nodus = Knoten) und das Vorhandensein von Tochtergeschwülsten (Metastasen). Zahlen hinter den Buchstaben stehen für das Maß der Ausdehnung. Man unterscheidet die folgenden Tumorstadien:
- Tis = Carcinoma in situ (= begrenzt), der Tumor befindet sich in seinem frühesten Stadium.
- T1 = Tumor, der sich auf die Darmschleimhaut beschränkt.
- T2 = Tumor hat zusätzlich zur Darmschleimhaut die Muskulatur der Darmwand befallen.
- T3 = umfasst alle Darmschichten.
- T4 = Der Tumor hat auch benachbarte Gewebe erfasst (z.B. Leber oder Lunge).
95 Prozent aller Darmkrebspatienten im ersten Krankheitsstadium können vollständig geheilt werden. Daher kommt gerade beim Darmkrebs der Früherkennung eine Schlüsselrolle zu.
Wie wird therapiert?
In den vergangenen Jahren hat es auf dem Gebiet der Darmkrebstherapie zahlreiche Fortschritte gegeben. Das betrifft die chirurgischen Maßnahmen ebenso wie die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung. Die drei Grundpfeiler der Therapie sind Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Sie lassen sich, je nach Krankheitsstadium, kombinieren oder nacheinander einsetzen. Wichtig für den Erfolg einer Behandlung ist auch, dass der Patient die Therapieentscheidungen versteht und mittragen kann. Betroffene sollten daher vor Therapiebeginn die Behandlungsmethode gründlich mit dem behandelnden Arzt besprechen. Eventuell ist es ratsam, eine zweite Meinung einzuholen.
Wie finde ich eine geeignete Klinik?
Die Nähe zum Wohnort spielt für die meisten Betroffenen eine große Rolle bei der Klinikauswahl. Wichtiger sind jedoch die Qualität der Behandlung und die Qualifikation der behandelnden Ärzte. Es empfiehlt sich, eine auf Darmkrebs spezialisierte Einrichtung zu wählen, in der nach neuesten Therapiestandards behandelt wird (sogenannte Darmzentren). Eine freundliche Atmosphäre und menschliches Vertrauen zum Arzt tragen außerdem dazu bei, dass der Patient sich gut aufgehoben fühlt und die Therapieentscheidungen mittragen kann.
Was passiert bei einer Operation?
Die Grundlage vieler Behandlungsstrategien stellt die Operation dar. Neben der möglichst restlosen chirurgischen Entfernung (Resektion) des entarteten Gewebes wird rund um den Tumor ein Stück des gesunden Darms herausgeschnitten. So sollen auch eventuell versprengte Tumorzellen erfasst werden. Eine erfolgreiche Operation erhöht die Chance des Patienten auf eine vollständige Heilung. Selbst in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien ist die Operation häufig zu empfehlen. Sie kann das Fortschreiten der Krankheit verhindern und tumorbedingte Beschwerden lindern.
Außerdem werden die Lymphknoten aus dem Abflussgebiet des Tumors entfernt und später histopathologisch (feingeweblich) untersucht.
Bekomme ich einen künstlichen Darmausgang?
Noch heute ist die Operation vor allem mit der Angst vor einem dauerhaften künstlichen Darmausgang behaftet. Tatsache ist jedoch, dass dank moderner Operationstechniken in fast 90 Prozent aller Fälle der natürliche Darmausgang erhalten bleibt. Nur wenn der Tumor sehr nah am Schließmuskel liegt oder diesen ebenfalls befallen hat, wird ein künstlicher Darmausgang erforderlich.
Was passiert bei einer Chemotherapie?
Als Chemotherapie wird die Gabe von Zellgiften, so genannter Zytostatika, bezeichnet. Diese hemmen die Krebszellen in ihrem Wachstum und zerstören sie. Im Gegensatz zur Strahlentherapie, die nur im Bestrahlungsfeld ihre Wirksamkeit entfalten kann, wirkt die Chemotherapie in der Regel systemisch. Das heißt, sie greift auch Tumorzellen an, die sich bereits auf andere Körperregionen ("im gesamten System") ausgebreitet haben. Als eine der effektivsten Behandlungsarten hat die medikamentöse Krebsbekämpfung daher einen sehr hohen Stellenwert in der modernen Therapie des Darmkrebses. Während sie in frühen Stadien der Erkrankung die Chance auf Heilung erhöht, wird die Chemotherapie in späteren Stadien eingesetzt, um das Fortschreiten des Krebses zu verhindern. Gleichzeitig wird die Lebensqualität des Patienten verbessert. Der Arzt spricht hier von "palliativer" Therapie.
Welche Medikamente werden eingesetzt?
Lange Zeit stand mit dem Standard-Zytostatikum 5-Fluorouracil (5-FU) bei der medikamentösen Darmkrebsbehandlung nur ein einziges wirksames Chemotherapeutikum zur Verfügung. Auch wenn durch die Kombination mit Folinsäure (5-FU/FA) die Behandlung verbessert werden konnte, brachten in jüngerer Zeit neue Medikamente den Durchbruch in der Therapie des Darmkrebses.
Hier spielt der Wirkstoff Irinotecan, der aus dem chinesischen Xi-Shu-Baum gewonnen wird, eine wichtige Rolle. Bei Vorliegen von Metastasen ist die Behandlung mit diesem modernen Medikament meist kombiniert mit 5-FU/FA bereits eine Standardtherapie. Auch die Substanzen Oxaliplatin und Capecitabin stellen eine Therapieoption dar.
Neue Hoffnung bedeutet für viele Betroffene der Einsatz von Antikörpern – gerade auch in Kombination mit der Chemotherapie. Irinotecan ist ein wichtiger Baustein im Rahmen dieser modernen Therapiekonzepte. Die frühzeitige Behandlung eines metastasierten Darmkrebses mit den beiden derzeit zugelassenen Antikörpern Cetuximab oder Bevacizumab in Kombination mit Chemotherapie bringt dem Patienten signifikante Überlebensvorteile. Dies wurde durch aktuelle Studien belegt.
Was passiert bei einer Bestrahlung?
Die Strahlentherapie wird fast ausschließlich beim Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) angewandt. Nach der Operation wird die Bestrahlung – als so genannte adjuvante Therapie – bevorzugt in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt (Radiochemotherapie). Diese Therapie zielt darauf ab, eventuell im Körper verbliebene Tumorzellen zu zerstören. Wird bereits vor der Operation bestrahlt, so spricht man von neoadjuvanter Bestrahlungstherapie. Diese soll den Tumor verkleinern, um ihn so besser operierbar zu machen. Auch bei neoadjuvanter Bestrahlung kann gleichzeitig eine Chemotherapie durchgeführt werden.
Was sind Antikörper?
Antikörper sind Moleküle, die eine bestimmte Struktur im Körper sehr genau erkennen und daran binden.
Ein neuerer Ansatz in der Darmkrebstherapie ist die Behandlung mit biotechnologisch hergestellten Antikörpern, die die Stoffwechselreaktionen des Körpers gezielt beeinflussen. So können Antikörper zum Beispiel die Ausbildung von Blutgefäßen im Tumor unterbinden. Damit schneiden sie diesen von der Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr ab. Antikörper werden als Infusion zusätzlich zu der Chemotherapie verabreicht. Als Ergänzung zu den genannten "Standardtherapien" stellt der Einsatz von Antikörpern in Kombination mit einer Chemotherapie eine vielversprechende Therapieform dar.
Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?
Unerwünschte Nebenwirkungen der Strahlentherapie, wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blasenentzündung oder Hautreizungen sind heute weitgehend behandelbar. Viele Patienten leiden jedoch zusätzlich zu den körperlichen Symptomen an der seelischen Belastung. So wird zum Beispiel eine therapeutisch notwendige Bestrahlung von den Betroffenen oft als Bedrohung empfunden. Auch die Chemotherapie kann mit unerwünschten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Durchfall oder Haarausfall verbunden sein. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch heute durch entsprechende Medikamente lindern. Sie klingen in der Regel nach Beendigung der Chemotherapie ab.
Was ist eine Therapiestudie?
Therapiestudien, die an spezialisierten Kliniken durchgeführt werden, sind grundlegend für den medizinischen Fortschritt. Sie stellen zudem eine Chance für betroffene Patienten dar. In Studienzentren werden neue, erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten mit der wirksamsten bereits bewährten Standardtherapie verglichen. Die Studienteilnehmer werden sorgfältig ausgewählt und profitieren von höchster Betreuungs- und Behandlungsqualität.
Wie muss ich nachsorgen?
Sinn der Nachsorge ist es, Rückfälle (Rezidive) sofort zu erkennen und zu behandeln. Da 70 Prozent aller Rückfälle innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Erstbehandlung auftreten, sollte die Nachsorge zunächst engmaschiger sein. Bei andauernder Rezidivfreiheit kann sie dann entsprechend gelockert werden. Halbjährliche körperliche Kontrolluntersuchungen sind für die ersten fünf Jahre vorgesehen. Einmal im Jahr sollte auch eine Darmspiegelung durchgeführt werden. Um die körperliche und seelische Belastung zu verarbeiten und die Wiedereingliederung in den Alltag zu erleichtern, kann zudem eine Rehabilitationskur in Betracht gezogen werden.
Wo bekommen ich und meine Familie Hilfe?
Vielen Darmkrebspatienten hilft es, Kontakt zu anderen Betroffenen aufzunehmen und sich über gemeinsame Erfahrungen auszutauschen. Aber auch die Unterstützung durch Familie und Freunde ist in dieser schweren Zeit besonders wichtig. Patienten sollten versuchen, ihr Umfeld in die Situation mit einzubeziehen. Eine Auswahl von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für Betroffene und Angehörige finden Sie hier.
Kann ein Psychoonkologe helfen?
Viele Kliniken bieten neben der medizinischen auch eine psychologische Betreuung für Krebspatienten an. Psychoonkologen helfen Betroffenen, aber auch Freunden und Angehörigen, die seelischen Belastungen während und auch nach der Therapie zu verarbeiten. Hilflosigkeit und Angst können thematisiert und Auswege aufgezeigt werden, um mit der Krankheitssituation konstruktiv umzugehen.
Wie gehe ich mit meiner Familie, Freunden oder meinen Kindern um?
Auch für die Angehörigen ist es oft nicht leicht, die Krankheitssituation zu bewältigen; häufig reagiert das Umfeld zunächst verstört auf die Diagnose. Wichtig im Umgang mit den geliebten Menschen ist vor allen Dingen Offenheit und das persönliche Gespräch. Auch Kindern gegenüber trägt Ehrlichkeit oft dazu bei, eventuelle Berührungsängste abzubauen und Konflikte zu vermeiden. Generell gilt: Jeder Betroffene braucht all seine Kraft für sich selbst. Daher ist es wichtig, dass er sich in schweren Zeiten auf Partner und Freunde verlassen kann.